Die Wildspitze, immerhin zweithöchster Berg Österreichs, gehört eigentlich in jedes Tourenbuch. Zeit also, dem Berg auf die Spitze zu steigen. Am ersten Tag geht es bei großer Hitze hoch auf die Vernagt-Hütte. Den Weg bin ich vor zehn Jahren schon einmal gegangen, aber damals kam er mir kürzer und weniger beschwerlich vor. Vielleicht liegts am Alter, an der Hitze oder am Hochtouren-Rucksack …

Auf der Vernagt-Hütte sind wir zunächst relativ alleine, erst so nach und nach füllt sich die Hütte. Wir sind aber die einzige Gruppe, die auf die Wildspitze geht, alle anderen haben andere (Hochtouren-)Ziele. Das stört uns nicht im Geringsten, denn am nächsten Morgen haben wir einen ruhigen und wunderschönen Aufstieg.

Direkt hinter der Hütte geht es auf die Moräne und dort dann auf markiertem Weg zunächst in Richtung Hochvernagtspitze, dann absteigend in Richtung Talboden. Der Gletscher ist auch hier rückläufig, so dass wir uns über Schutt und Geröll einen Weg suchen müssen. Ab dem Anseilplatz ist der Weg eindeutig – die Wildspitze lugt schon aus den Wolken.

Der Gletscher ist fast aper, einmal müssen wir ein größeres Blockfeld queren, was etwas Zeit kostet. Auf dem Kleinen Vernagtferner hoch zum Brochkogeljoch heißt es achtsam sein, da es noch eine Reihe von zugeschneiten Spalten gibt. Das Brochkogeljoch ist bis auf die letzten vier Meter völlig schneefrei, so dass man im Blockgelände gut vorankommt. Die letzten Meter jedoch legen wir ein Fixseil, da der Firn an die 60 Grad geht und wir auch etwas unerfahrene Teilnehmer dabei haben.

Dafür läuft es nach dem Brochkogeljoch ganz gemütlich auf ebener Strecke und wir treffen die ersten Gruppen. Eine Karawane zieht auf die Wildspitze, es wuselt nur so von Leuten. Der Schlussanstieg ist anstrengend, da es sehr warm ist und wir auch schon ein paar Stunden in den Beinen haben. Es ist auch nochmals Konzentration gefordert, da wir mehrere Spalten überwinden müssen – die Schneebrücken werden wohl nicht mehr lange halten.

Die letzten 100 Höhenmeter geht es im Fels empor, bevor wir auf dem Südgipfel der Wildspitze stehen. Rundum das Panorama der Ötztaler und Pitztaler Alpen – eine wahre Pracht.

Der Abstieg zur Breslauer Hütte zieht sich. Zum einen gilt es, den Klettersteig am Mitterkarjoch zu meistern, zum anderen schließt an den Klettersteig ein steiles Firnfeld an – hier lassen wir die Teilnehmer am Seil ab. Danach ist es noch ein ewiger Hatsch zur Hütte. Nach 10 Stunden und 40 Minuten inkl. einer Stunde Pausen kommen wir dort erschöpft, aber glücklich an.