
Vierte Etapppe unserer Klettersteigrunde in den Dolomiten. An vier Tagen folgen wir alten Wegen und Kriegssteigen. Heute geht es von der Zsigmondyhütte über den Alpinisteig zum Rifugio Berti.
Gehen oder nicht gehen? Den Steig komplett gehen oder nach dem ersten Teil ins Tal absteigen? Fragen über Fragen angesichts der a) unklaren Wetterprognose und b) der Unsicherheit, ob der Stieg zwischen Elferscharte und Sentinellascharte begehbar ist.
Der Alpinisteig schlängelt sich sich entlang von Bändern und war ein Versorgungsweg der italienischen Truppen im Ersten Weltkrieg. Unvorstellbar, mit welchen Mitteln dieser Weg erschlossen und gangbar gemacht wurde. Und 110 Jahre später ist der Steig immer noch in Schuss. Wenn keine Menschen als bunte Punkte im Steig sind, lässt sich sein Verlauf nur erahnen.
Bis zur Elferscharte erreicht der Steig maximal den Grad A/B, oft unterbrochen durch Gehgelände. Ab der Elferscharte wird der Weg ernster und ausgesetzter. Die Sentinellascharte direkt unter der Sextener Rotwand markiert den Endpunkt des Steigs. Für uns war der Weg gut begehbar, obwohl wegen seiner nordseitigen Ausrichtung noch ein paar Schneefelder im Steig lagen. Problematisch könnte der Abschnitt Elferscharte / Sentinellascharte bei Regen werden, da dann mit Steinschlag zu rechnen ist. Zum Glück bleibt es bei uns trocken.
An der Sentinellascharte angekommen, frohlocken wir schon mit dem Abstieg zum Rifugio Berti. Doch die Ernüchterung folgt zugleich. Unser Weg ist direkt an der Scharte auf 20 Höhenmeter abgerutscht und ein Weiterkommen so nicht möglich. Wir entscheiden uns, im steilen Schneefeld einen Toten Mann zu graben und lassen die Teilnehmer und einen an der Scharte gestrandeten Alleingeher am Seil ab. Nach dem Sammelpunkt legen wir ein Seilgeländer über das ausgewaschene und abrutschende Gelände. Bis auf wenige Blessuren schaffen wir es, alle sicher auf den ursprünglichen Weg zu bringen – puh. Die Aktion hat uns über zwei Stunden gekostet, die Rotwand fällt also weg. Immerhin spielt das Wetter mit und wir kommen nach 10 Stunden auf der Berti-Hütte an. Der Abend wird gemütlich – morgen haben wir nur noch einen 40-minütigen Abstieg vor uns.