Nachdem letztes Jahr der erste Teil der Ausbildung absolviert wurde, stand jetzt der zweite Teil mit Prüfung an. Coronabedingt fiel die Ausbildung auf dem Gepatschhaus und der Rauhekopfhütte aus. Dafür standen der Landgasthof Steigenbergklamm in Weißbach bei Lofer sowie die Oberwalderhütte zur Verfügung.

Die ersten beiden Tage des Kurses, der von Helmut „Heli“ Mittermayr und Chris Semmel geleitet wurde, standen ganz im Zeichen des Begehens von Klettersteigen, der Einführung in den Aufbau von Fixseilen / Geländerseilen und des Einführens in den Selbstflaschenzug.

Die Umgebung in Weißbach am Lofer ist dafür ideal, gibt es doch verschiedene talnahe Klettergärten zum Erlernen der Begehungs- und Sicherungstechniken sowie der praktischen Umsetzung im Klettersteig. Wir nutzen den ersten Kurstag intensiv und schließen den Tag mit der Begehung des Weisse-Gams-Klettersteigs (D).

Am Montag wechseln wir das Quartier und fahren zunächst zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe und steigen gemütliche 2,5 Stunden auf die Oberwalderhütte auf, die ein ausgezeichneter Stützpunkt für die Eis- und Firn-Ausbildung ist.

Bevor die Sonne hinter den Wolken verschwindet, gehen wir an die ersten praktischen Übungen im Firn. Heli hat eine gute Stelle an einer Geländekante gefunden, an der wir den Mannschaftszug austesten. Auch bauen wir das Übungsgelände für die Lose Rolle mit doppelter Hintersicherung auf – ein Prozedere, das wir in den nächsten Tagen immer wieder vornehmen. Gut gesichert üben wie sowohl die old-school-Technik mit Prusikschlingen als auch den new-style mit Steigklemmen ausführlich. Am Abend gibt es noch eine Theoriestunde zur Wetterkunde.

Der darauffolgende Tag ist wettertechnisch noch etwas durchmischt, so dass wir mit dem richtigen Verhalten bei Unfällen (ABC-Schema) und dem Verhalten bei Hubschraubereinsatz beginnen. Das Wetter wird besser und wir gehen in den Firn. Neben einer Einführung in das Begehen von Firnfeldern, der Spuranlage und der Rettungstechnik bei Stürzen im Firn wenden wir unser Wissen zum Fixseil an. Eifrig graben wir T-Anker und steigen den steilen Firn hinauf bzw. sichern unsere Partner nach. Den Tag beenden wir mit der Tourenplanung.

Unsere erste Tour führt einen Teil der Gruppe auf den Johannisberg, die andere Hälfte besucht den Romariswandkopf. Neben der Spuranlage und der Beurteilung des Geländes steht wieder vor allem die Anwendung der Sicherungstechniken im Mittelpunkt.

Am nächsten Tag geht es ins Eis. Nach einigen Übungseinheiten auf den Steigeisen (Steigeisentechnik), dem richtigen Pickeleinsatz, dem Drehen von Eisschrauben und dem Bau von Eissanduhren präparieren unsere Guides das Übungsgelände in der Spaltenzone, so dass wir uns ohne Gefahr in eine echte Spalte ablassen und unser Wissen zur Losen Rolle und zum Selbstflaschenzug ausprobieren können.

Die zweite Tour führt uns auf das Eiskögele bzw. auf die Bärenköpfe. Da wir früh aufbrechen, sind alle bis zum frühen Mittag wieder auf der Hütte – rechtzeitig vor dem Eintreffen der Kaltfront, die einen Wintereinbruch zur Folge hat.

Am Prüfungstag wachen wir im Winterwonderland auf – Frau Holle lässt es ordentlich schneien. Die Theorieprüfung bringen wir hinter uns, bevor es dann in den Klettergarten geht, wo wir spontan gestellte Aufgaben zum Standplatzbau, Bauen von Blockständen, Ablassen von Personen mit HMS und Schleifknoten und andere Themen bewältigen müssen. Wir werden ordentlich eingeschneit – und der Tag ist noch nicht zu Ende. Nach einer kurzen Aufwärmrunde in der Hütte geht es zur nächsten Prüfung, nämlich dem Selbstflaschenzug. Zum Glück müssen wir nicht auf den Gletscher, sondern bewältigen die Aufgabe an der uns bekannten Geländekante in Hüttennähe.

Die Prüfungsergebnisse erhalten wir noch am Abend, der dann dank Zirbenschnaps, Gitarrenmusik und Singen doch ziemlich lang wird. Nach einer entsprechend kurzen Nacht steigen wir ab und sind verwundert, wie schnell neun Tage Ausbildung vorbei sein können. Zufrieden, müde und leicht stinkend setzen wir uns in unsere Fahrzeuge und fahren in Richtung Heimat.